Ich bin keine Sklavin

Beim Stöbern ist mir neulich der Begriff der „Sklavin“ ins Auge gefallen. Bevor ihr jetzt verächtlich schnaubt und den Artikel schließt: Natürlich habe ich diese Bezeichnung schon tausend Mal gelesen, aber irgendwie blieb sie dieses Mal hängen. Ich dachte noch eine Weile darüber nach und kam zu dem Schluss, dass ich mich mit diesem Wort nicht identifizieren kann.

Dafür gibt es mehrere Gründe. Natürlich bin ich noch ein Neuling im Bereich BDSM und muss mich und meine endgültige Rolle noch finden bzw. eingrenzen. Eventuell werde ich mich sogar eines Tages als Sklavin wohlfühlen. Es gab auch eine Zeit, in der ich nicht wirklich viel von Sex im Allgemeinen hielt, und sieh mal einer an, wo ich heute stehe (oder, besser gesagt, knie). 

Der erste Grund für mein Unbehagen liegt wohl darin, dass ich deutsche Begrifflichkeiten rund um das Thema Sex und Dirty Talk eher schwierig finde. Solange ich mich zurückerinnern kann, habe ich mich in den englischen Benennungen wohler gefühlt. Das fängt schon bei so einfachen Wörtern wie „Muschi“ oder „Möse“ an – das ist einfach nicht sexy und wenn jemand diese Wörter in meinem Bett verwendet, trocknet ebendiese schlagartig aus. Lustigerweise kann ich mich mit den Begriffen für männliche Körperteile deutlich eher anfreunden, aber das wäre vielleicht Stoff für einen separaten Beitrag.

Darüber hinaus liegt der Begriff „Sklave“ für mich auch schon sehr nah beim 24/7-BDSM und diese vollkommene Unterwerfung ist etwas, das für mich im Alltag nicht in Frage kommt. Ich habe ein Leben außerhalb des Schlafzimmers und im Alltag bin ich das Gegenteil einer unterwürfigen Dienerin.

Der wohl schwerwiegendste Grund liegt für mich allerdings darin, dass der Begriff „Sklave“ natürlich eine gewisse geschichtliche Vorprägung mit sich bringt. Natürlich untergibt man sich seinem Herrn und führt seine Befehle ohne Fragen aus, da kann man schon gewisse Parallelen ziehen. Allerdings gibt es da einen ganz wichtigen Unterschied: Ich mache das aus freien Stücken, niemand zwingt mich dazu. Diesen Luxus hatten die Sklaven in der Vergangenheit nicht und ich persönlich sehe es als eine Herabwertung ihres Schicksals, mein sexuelles Vergnügen mit ihrem Leid gleichzusetzen.

Ja, ich bin unterwürfig. Wenn wir spielen, darfst du mich deine Sub nennen und mit vielen verschiedenen Schimpfwörtern herabwürdigen. Aber ich bin keine Sklavin und möchte auch nicht so genannt werden. Wenn Du dich allerdings mit dieser Benennung wohlfühlst oder sie für Deine Sub verwendest, würden mich deine Meinung und deine Gründe sehr interessieren, denn meine Meinung ist sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss.

Ein Gedanke zu „Ich bin keine Sklavin“

  1. Moin, ich finde, dass Du das sehr gut beschrieben hast und Deine Rolle ziemlich bestimmt und reflektiert definiert hast. Und das ist gut so.

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