Die Magie des Seils

Das Seil, das sich seinen Weg über ihren Körper sucht, unnachgiebig lässt es ihr keinen Spielraum für Freiheit und gleichzeitig schmiegt es sich an jede ihrer Kurven, wie eine zärtlich/feste Umarmung.

Ja, dass Bondage mich interessiert, war mir recht schnell klar. Wenn man mal mehr als die typischen Videos gesehen hat: Junge trifft Mädchen, Junge fesselt Mädchen, Junge fickt Mädchen das Hirn aus dem Schädel. Nichts gegen einen guten Porno, aber Bondage ist doch deutlich mehr als das, wenn man sich mal mit der Materie befasst. Darum soll es im Folgenden gehen.

Ich habe das Fesseln immer als Kunstform verstanden, die sich ein wenig in Detailverliebtheit verliert. Es ist einfach eine andere Art von Interaktion mit dem Partner; näher, intensiver und irgendwie auch “ausgelieferter”. Jetzt kann man natürlich sagen: Diese ganzen Punkte habe ich bei meiner Session auch. Im Grunde stimmt das natürlich, aber beim Bondage sind die Punkte, die in einer Session optional sind, elementar. Ich erkläre das mal anhand von drei Beispielen:

Die Berührung des Seils

Wenn man seinen Partner fesselt, dann ist das Gefühl des Seils etwas ganz besonderes. Dein Körper, der immer mehr an Bewegungsfreiheit verliert; das Seil, das durch jede Öse gezogen wird und sich wie eine Schlange ihren Weg über deinen Körper sucht. Bei jeder neuen Wicklung über deinen Bauch, deine Brüste, oder die Beine zieht das Seil seine Bahnen. Du spürst, wie du immer weiter eingeschränkt wirst und deinem Dom so immer mehr Kontrolle gibst. Das Seil ist die Verlängerung seiner Finger, die du überall gleichzeitig erfährst, was alleine schon sehr erregend sein kann.

Als Rigger ist das nicht anders, du nimmst das Seil in die Hand, spürst seine Struktur zwischen deinen Fingern, wie flexibel es ist und je nach Material auch rau, oder weich. Es ist dein Werkzeug, mit ihm verleihst du dem Bild in deinem Kopf eine Form, mit jedem Meter, jedem Knoten, wird das Kunstwerk mehr an seine Vollendung gebracht, bis das endgültige Ergebnis vor dir liegt, hängt, oder steht. Ein schönes Gefühl.

Der Körperkontakt

So wie das Seil seinen Weg geht, so geht auch deine Hand ihren. Das können Berührungen sein, die notwendig sind, aber auch welche, die keinem anderen Zweck dienen, als der Berührung selbst. Wenn zum Beispiel das Seil vom Rücken aus über die Schulter nach vorne gezogen wird, kannst du dein Handgelenk an seiner/ihrer Brust ablegen, oder der Unterarm streift ganz zufällig ihren Bauch immer wieder, beim nachziehen des Seils. Wenn man bei einem Bondage etwas Übung hat, könnte man auch extra um den ganzen Körper von hinten herum greifen, oder von Vorne, du siehst es bieten sich mehr als genug Möglichkeiten für Körperkontakt. Mir ist gerade dieser Punkt sehr wichtig, weil er die Verbundenheit zwischen Rigger und Bunny stärkt. Klar, bei einer Session begibt man sich auch auf “Tuchfühlung”, aber beim Bondage kann man damit nochmal ganz anders spielen, weil sich das Gefühl ausgeliefert zu sein immer weiter verstärkt.

Die Zeit

Während man bei einer Session im Grunde “nur” die Aufwärmphase hat (oder was man sonst vorbereitet), ist es bei einem Bondage, -je nach Aufwand- mehr Zeit einzuplanen. Das muss nicht zwingend ein Nachteil sein, wie ich oben schon erwähnt habe, kann man diese Zeit auch “sinnvoll” nutzen, davon abgesehen wird ein Bondage, für das man sich die Zeit nimmt nicht nur schöner, es dient auch der Sicherheit.

Selbstbondagen

Ein anderer Aspekt beim Fesseln, denn man nicht außer acht lassen sollte ist, dass es einem die Gelegenheit bietet, sich selbst besser kennenzulernen. Gerade ein einfach Ganzkörperbondage ist eine tolle Erfahrung und kann helfen zu verstehen, wie sich deine Sub über einen ganzen Abend in Seilen fühlt. Selbst zu merken, wie unangenehm ein zu festes Bondage ist, hilft einem auch, mehr Vorsicht beim Verschnüren der Partnerin walten zu lassen. Dass man sein “Opfer” immer mal wieder währenddessen fragt, wie es geht, versteht sich dabei natürlich von selbst.

Für den Anfang

Nehmt anfangs Abstand von Youtube, lest euch ein, oder noch besser, besucht zusammen Kurse, in denen euch ein Lehrer Rede und Antwort stehen kann. Das Wissen, um die wichtigen Körperstellen ist unerlässlich, das “Bondage-Handbuch vom Charon Verlag” kann ich euch für den Einstieg wärmstens empfehlen, es erklärt viel und die illustrierten Anleitungen sind relativ leicht zu verstehen.

Jetzt habe ich doch eine Menge geschrieben, obwohl ich eigentlich nur auf meinen eigenen Blickpunkt zum Thema Bondage eingehen wollte, ich hoffe, euch hat der Beitrag gefallen und ihr habt ein wenig Lust bekommen, selbst mal ein paar Sachen auszuprobieren. Von meiner Seite soll es das zu dem Thema gewesen sein, wenn ihr etwas Bestimmtes wissen möchtet fragt ruhig, oder noch besser, kauft euch das Buch, denn ich bin bei weitem kein Profi und lerne selbst noch jedes Mal etwas dazu.

 

 

Herr Shibari

Autor: Herr Shibari

Ist Herr dieser Seite. Schreibt Kurzgeschichen und Blogbeiträge.

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